Das sächsische Kabinett hat im Oktober 2024 einer Erweiterung der Förderrichtlinie „Siedlungswasserwirtschaft“ des Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) zugestimmt. Damit erhalten Kommunen und öffentliche Wasserversorger im Freistaat Sachsen künftig gezielte finanzielle Unterstützung für Investitionen in eine klimaangepasste Wasserversorgung. Gefördert werden unter anderem der Ausbau überregionaler Wasserversorgungssysteme, die Optimierung regionaler Verbundlösungen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Krisenvorsorge. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch private Bauherren von der Förderung profitieren. So haben Eigentümer oder Erbbauberechtigte von Grundstücken ohne Anschluss an eine zentrale Abwasserentsorgung die Möglichkeit, Fördermittel für den Bau von Kleinkläranlagen zu beantragen, sofern das Abwasserbeseitigungskonzept der zuständigen Gemeinde eine dezentrale Lösung vorsieht.
Schlüssel zur Versorgungssicherheit: Wassermengenmanagement
Mit den neuen Fördermöglichkeiten reagiert Sachsen auf die wachsenden Herausforderungen des Klimawandels: Längere Trockenperioden und zunehmende Extremwetterereignisse beeinträchtigen sowohl die Verfügbarkeit als auch die Qualität der Wasserressourcen und gefährden damit die öffentliche Trinkwasserversorgung. Frühzeitige Anpassungsmaßnahmen sind erforderlich, um Engpässe zu vermeiden und die Wasserversorgung langfristig zu sichern. Dazu zählt insbesondere die Speicherung und Nutzung von Wasser vor Ort, etwa durch die Wiederherstellung natürlicher Wasserkreisläufe. Maßnahmen wie die Entsiegelung und Begrünung von Städten tragen dazu bei, Regenwasser besser aufzunehmen und das Risiko von Hochwasser zu verringern.
Talsperren als zentrale Stütze der Wasserwirtschaft
Talsperren spielen eine entscheidende Rolle im Wassermengenmanagement: Sie fungieren als Puffer, die nicht nur eine verlässliche Trinkwasserversorgung gewährleisten, sondern auch maßgeblich zum Hochwasserschutz und zur Regulierung der Wasserressourcen beitragen. In Deutschland stammen über 12 Prozent des Trinkwassers aus Talsperren; in einigen Regionen sind sie sogar die einzige Versorgungsquelle. Doch auch Talsperren sind von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen: Während Trockenperioden zu sinkenden Wasserständen führen können, steigt bei starken Niederschlägen das Risiko von Überläufen. Diese Schwankungen beeinflussen den Sauerstoffgehalt und die Nährstoffkonzentration des Wassers und können somit die Wasserqualität beeinträchtigen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen die Bewirtschaftungsstrategien für Talsperren weiterentwickelt werden. Erforderlich sind flexible Steuerungssysteme, die Hochwasser kontrolliert ableiten und gleichzeitig in Trockenzeiten eine stabile Wasserversorgung sicherstellen. Wie essenziell diese Maßnahmen sind, wurde beim Hochwasser im Juni 2013 deutlich, als die gezielte Steuerung der Talsperren entscheidend dazu beitrug, die Wasserversorgung der Landeshauptstadt Dresden aufrechtzuerhalten. Eine vorausschauende, klimaangepasste Bewirtschaftung ist unerlässlich, um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten.
Welche Maßnahmen sind förderfähig?
Die erweiterte Förderrichtlinie „Siedlungswasserwirtschaft“ des Freistaates Sachsen unterstützt gezielt Maßnahmen, die eine nachhaltige und klimaresiliente Wasserversorgung sichern. Dazu zählen insbesondere der Aufbau und die Optimierung regionaler sowie überregionaler Verbundlösungen zwischen bestehenden Versorgungssystemen. Durch eine bessere Vernetzung soll eine stabile und effiziente Wasserversorgung gewährleistet werden.
Auch der Ausbau öffentlicher Wasserversorgungsanlagen ist förderfähig, sofern er durch klimatische Veränderungen erforderlich wird. Im Fokus stehen dabei Maßnahmen zur Sicherung ausreichender Wassermengen, darunter die Modernisierung bestehender Infrastrukturen. Zudem werden Projekte gefördert, die den Schutz der Wasserqualität in Einzugsgebieten verbessern und potenzielle Verschlechterungen verhindern. Ein weiterer Schwerpunkt der Förderung liegt auf der Not- und Krisenvorsorge. Hierzu zählen Investitionen, die die öffentliche Trinkwasserversorgung auch in Krisensituationen sichern, beispielsweise durch die Erstellung von Notfallplänen oder den Bau von Reserveinfrastrukturen.
Ein Modell für die Zukunft der Wasserversorgung
Sachsens Vorstoß setzt ein starkes Signal für eine vorausschauende Wasserpolitik. Ein ähnliches Engagement zeigt sich bereits in Niedersachsen: Mit der Förderrichtlinie „Klimafolgenanpassung Wasserwirtschaft“ werden Projekte gefördert, die das Wassermengenmanagement strategisch neu ausrichten und die Infrastruktur an klimatische Veränderungen anpassen. Diese Ansätze könnten auch anderen Bundesländern als Modell dienen, um die nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen für künftige Generationen zu sichern.